Archiv für April 2013

Zitat der Woche

Das hat mich gerade zum Lachen1 gebracht. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im Interview bei Spiegel Online:

Friedrich: Einen Selbstmordattentäter, der seinen eigenen Tod bei der Planung der Tat einkalkuliert, werden auch Videokameras nicht abschrecken.

SPIEGEL ONLINE: Also sind die Kameras gegen Terror unwirksam?

Friedrich: Das wäre ein falscher Schluss. Wenn wir zum Beispiel den Täter nach dem ersten Mal verhaften, kann er kein zweites oder drittes Mal zuschlagen.

Ja klar, Selbstmordattentäter nach dem ersten Mal verhaften… Das würde ich auch so machen.

  1. Besten Dank an Fefe für den Hinweis! [zurück]

Yeah… Noise-Fest!

Claws Of Saurtopia 2013

Wenn das kein Grund zur Freude ist: Der Mai kommt und das Claws Of Saurtopia Noisefest steht wieder vor der Tür! Wie üblich kenne ich kaum eine der angekündigten Bands, aber die Macher_innen haben ja bereits in den letzten Jahren bewiesen, was für einen exzellenten Musikgeschmack sie haben (und wie diese Menschen immer wieder den enormen Organisationsaufwand bei der Festivalvorbereitung stemmen, nötigt mir ohnehin den derbsten Respekt ab). Lange Rede, kurzer Sinn: Das wird aller Voraussicht nach DAS Konzertereignis schlechthin im Jahr 2013 – wenn Ihr die Chance habt, solltet Ihr da auch alle hingehen. Es lohnt sich, definitiv.

Dem Provokateur ist nichts zu schwör

Wahnsinn… Das diesjährige taz.lab scheint ja ein echtes Feuerwerk der Provokation gewesen zu sein, mit Eklats und derbster Polemik an allen Ecken und Enden… Über den Auftritt von Deniz Yücel hat Rhizom schon so gut wie alles gesagt. Doch nun wirft sich auch noch Jan Fleischhauer1 in die Bresche, mit einem Artikel bei Spiegel Online: „Wie ich auf einem taz-Podium fast für einen Eklat sorgte“.
Gut, dass er noch mal drauf hinweist, sonst hätte wohl keine_r der Beteiligten bemerkt, dass es da einen Eklat gab:

Das Verhängnis begann damit, dass ich die Frage stellte, was wohl nach dem Ende des weißen Mannes2 komme werde, von dem nun ständig die Rede ist. Ich will dem Fortschritt nicht im Wege stehen: Wenn es der Sache dient, müssen ich und meine Geschlechtsgenossen eben Platz machen, so ist der Lauf der Dinge. Ich habe nur gewisse Zweifel, dass wir an der Sexismusfront wirklich weiter kommen, wenn in unserem Fall an die Stelle des weißen Mittelschichtsmannes sein türkischer, arabischer oder indischer Kollege tritt. Den Gedanken hätte ich besser für mich behalten. „Rassist“ tönte es aus einer Ecke, die Mehrheit schüttelte entsetzt den Kopf. Kurz, die Stimmung war schon nach meiner ersten Einlassung zum Thema im Eimer.

Das war´s dann schon, zum Glück endet das Verhängnis so schnell wie es begann. Fleischhauer gibt ein, zwei dumme Sätze von sich, und wird dafür nicht etwa geteert und gefedert, sondern bloß in fieser stalinistischer Manier mit allgemeinem Kopfschütteln bestraft. Dass ihm keiner zustimmt, nimmt er wiederum als Beleg dafür, dass er tatsächlich etwas Wichtiges und Treffendes gesagt hat. Natürlich – warum sonst sollten ihm diese Linken mit solcher Intoleranz begegnen?
Ein richtiger Eklat ist das nicht, dafür fehlt offensichtlich die Empörung auf der Gegenseite. Und gerade dadurch wirkt es doppelt peinlich, wie Fleischhauer sich nachträglich als tapferer Provokateur und einsamer Verteidiger des Status quo in Pose wirft:

Keine Ahnung übrigens, warum mich die taz eingeladen hat. Soweit ich sehen konnte, war ich unter den rund 200 Referenten des taz.lab der einzige Vertreter einer Welt, in der man sich nicht das Ende des Kapitalismus herbeiwünscht oder jeden Morgen ganz fest für die Energiewende betet. Meine Vermutung wäre, dass auch einigen bei der taz das linke Betschwestertum gehörig auf die Nerven geht. Je größer der Druck ist, sich ja richtig zu benehmen, desto heftiger ist oft auch der Wunsch, die Verbotszone zu beschreiten. Das gilt jedenfalls bei allen Menschen, die sich einen Funken Widerstandsgeist bewahrt haben.

Die Schnabeltasse meiner Großmutter ist deutlich provokanter.

  1. Falls ihr Jan Fleischhauer nicht kennt: Der gute Mann ist „Redakteur beim Spiegel und Autor des Bestsellers ‚Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde’, in dem er den Aufstieg der Linken von einer Protestbewegung zur kulturell dominierenden Herrschaftsformation beschreibt.“ Außerdem war er schon mal bei Anne Will. [zurück]
  2. Das Ende des weißen Mannes? Das musste ich auch erstmal googeln – ich bin offenbar nicht auf dem Laufenden, worüber derzeit so im Feuilleton debattiert wird. [zurück]

OOIOO

Noch mehr Mucke. OOIOO sind vier Japanerinnen, die zusammen feine verspulte Popmusik machen. Das Video ist auch hübsch: Knuffige Stofffiguren trommeln sich rituell in Rage und skandieren Sprechchöre gegen die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums. Aber keine Angst: „no actual trees were harmed in the making of this video“, so steht es bei den Youtube-Kommentaren. Am Ende wird alles gut und alle Tiere tanzen. Oooooh…

19.4. Bootblacks+Monozid

Ich habe es in anderem Zusammenhang schon mal erwähnt: Früher, in meinen verwirrten, depressiven Teenagerjahren, war ich wohl so ´ne Art Gruftie. Okay, mit der angeschlossenen „schwarzen Szene“ hatte ich schon damals nicht viel zu tun (eine solche gab´s in meiner heimatlichen Kleinstadt schlichtweg nicht). Und heute ist das nicht viel anders, nur dass ich um viele Aspekte dieses Gesamtphänomens „Gothic“ mittlerweile bewusst einen weiten Bogen mache.
Dabei liebe ich viele der alten Bands – Bauhaus, Joy Division, Virgin Prunes, Killing Joke… Und ab und an schafft es auch eine heutige Band, mich zu begeistern. Bootblacks zum Beispiel. In New York beheimatet, das Debütalbum noch klar von The Birthday Party geprägt, mit schwer groovendem Bass und schartigen, garstigen Blues-Riffs – vom Ansatz her also angenehm altmodisch, aber die üblichen Retro-Fettnäpfchen gekonnt vermeidend.
Von diesem Sound scheint die Band sich mittlerweile gelöst zu haben – darauf lässt zumindest das untenstehende Video schließen. „Voices“, von der aktuellen EP, ein Schmachtfetzen auf halber Strecke zwischen New Order und The Sound. Eindeutig weniger Blues, dafür mehr Elektronik und Delay-Gitarren. Für einen echten Hit fehlt hier der Refrain, aber mit all seinem eleganten Understatement ist das trotzdem ein sehr schönes Lied.

Diesen Freitag, den 19.4., spielen Bootblacks im Plagwitzer Bermudadreieck. Mit dabei sind auch die Leipziger von Monozid, die an diesem Abend ihr 10jähriges Bandjubiläum feiern. Auch eine gute Band, die sich über die Jahre hinweg ähnlich drastisch entwickelt hat wie Bootblacks – wenn auch eher in umgekehrter Richtung, von Post Punk/Gitarrenwave irgendwo zwischen EA80 und den Chameleons hin zu einem kratzigerem, groovigerem Stil, der mittlerweile verdammt nach New York klingt. Lohnt sich auf jeden Fall, da hinzugehen.