Archiv für Juni 2013

Schizophasia

Das ist doch mal ein schöner garstiger Krach… Dass Schizophasia den alten Venom-Schriftzug für sich adaptiert haben, bringt ihnen von meiner Seite schon mal dicke Sympathiepunkte ein. Auf Play gedrückt und schon gibt’s zackzack! übersteuerten Noise-Punk so hemmungslos links und rechts um die Ohren gehauen, dass ich mal eben ehrfurchtsvoll auf die Knie gehe. Klar, im Prinzip ist das nix Neues, sondern nur ein höchst gelungener Neuaufguss des alten JapCore-Sounds mit einer Extraportion Störgeräusche drinne. Das haben Confuse und ähnliche Verrückte vor Jahren schon gemacht. Aber egal, es funktioniert auch hier mal wieder prächtig. Ein hurtig klöppelndes Schlagwerk, ein lauter schnarzender Bass, der so was ähnliches wie Melodie oder wenigstens ein bisschen Struktur reinbringt, und falls da irgendwo ´ne Gitarre sein sollte, ist sie vor lauter Verzerrung jedenfalls kaum zu erkennen. Diese Geräuschkulisse verbinden Schizophasia mit einem ein kruden Science-Fiction-Konzept mit passenden Texten und Kostümen (Endzeit, Mad Max, Mutanten und so… ihr wisst schon). So gefällt mir das.

Her Yer Taksim! Taksim ist überall!

Solidaritätsdemo in Leipzig am Dienstag, 25.06.2013, Start 18:30 Uhr am Rabet, Eisenbahnstr./Hermann-Liebmann-Str. Hier der Aufruftext:

Her Yer Taksim! Baskı, otoriter soylulaştırma ve kriz yönetimine karşı/ Taksim ist überall! Gegen Repression, Gentrification und autoritäres Krisenmanagement

Am 28. Mai begann in Istanbul eine Protestwelle, die seit dem brutalen Polizeieinsatz vom 31.Mai gegen die Demonstrant_innen auf dem Gelände des Gezi Parks fast sämtliche türkische Großstädte erreicht hat. Was mit einer symbolischen Parkbesetzung gegen den Bau eines Einkaufszentrum und die damit einhergehende Zerstörung des Istanbuler Gezi-Parks seinen Anfang nahm, wurde zum Symbol der Auflehnung gegen die AKP-Regierung unter der Führung von Recep Tayyip Erdogan. So politisch verschieden die einzelnen Fraktionen innerhalb der Protestbewegung aufgestellt sind, so unterschiedlich sind auch die zentralen politischen Forderungen: Mehr Partizipationsmöglichkeiten für die Bürger_innen, das Ende der auf Profit orientierten neoliberalen Stadtpolitik in den türkischen Großstädten, die Beendigung der Aushöhlung säkularer Errungenschaften sowie die sofortige Einstellung der staatlichen Repressionspolitik gegenüber Gewerkschaften und bestimmten Bevölkerungs- und Religionsgruppen, insbesondere Kurd_innen und Alevit_innen. Sowohl der Gezi-Park als auch der angrenzende Taksim-Platz sind zu einem Symbol für den Widerstand gegen aristokratisch und autoritär geführte Regime und deren Repressionsapparate geworden, was auch die derzeit parallel stattfindenden Proteste in Brasilien und Indonesien verdeutlichen.

Überall ist Widerstand, auch in Leipzig! Kommt daher zur Demo und zeigt Euch mit den sozialen Kämpfen in der Türkei solidarisch!

Taksim ist überall Leipzig

Sole in Gǎi Dào #30

Gai Dào #30 Cover

Die neue Gǎi Dào, die Zeitschrift der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen, überrascht mich diesmal gleich doppelt. Zunächst mal mit einer neuen Ausgabe. Hä, Moment? Noch mal nachzählen: Da gab es vor anderthalb Monaten eine Sonderausgabe zum 1. Mai, dann die reguläre Nr. 29 (die völlig an mir vorbeiging). Und jetzt schon Nr. 30…? Junge, wie die Zeit vergeht!
Die Redaktion legt jedenfalls ein beachtliches Tempo vor und schafft es zur selben Zeit, mit interessanten Inhalten aufzuwarten. So gibt es in dieser Ausgabe auch ein Interview mit dem (O-Ton Gǎi Dào) „anarchistischen Rapper“ Sole im Heft (jedenfalls der zweite Teil davon, Teil 1 erschien in der schon erwähnten Nr. 28). Das spricht erstmal für den guten Musikgeschmack der Redaktion und ist zugleich die zweite Überraschung. So war mir Sole aka Tim Holland zwar schon als politisch kritisch und anspielungsreich dahertextender Künstler und Mitbegründer des ziemlich guten HipHop-Labels Anticon bekannt. Als Anarchisten hatte ich ihn bislang nicht wahrgenommen. Aber in der Tat hat der gute Mann auch noch ein zweites Leben als linksradikaler Polit-Aktivist. Zu diesem Teil seiner Person äußert er sich hier ziemlich ausgiebig, lässt dabei sympathisch staatsfeindliche Ansichten zu Tage treten, und auch zur politischen Gesamtlage in den USA (Occupy und die Folgen, behördliche Überwachung usw.) hat er einiges zu erzählen. Das solltet ihr im Zweifelsfalle lieber selbst lesen. Nur seine Liebeserklärung an Emma Goldman sei hier zitiert, weil sie mich zum Grinsen gebracht hat:

Ich liebe, dass Emma Goldman niemals davor Angst hatte, ihre Meinung zu sagen. Sie griff Stalin an, sie griff die USA an, auch wenn sie es liebte dort zu leben, sie verteilte Anti-Baby-Pillen, als die illegal waren. Sie unterstütze streikende Arbeiter*innen. Sie sprach eloquent mit arbeitenden Menschen in einer Sprache, die diese verstanden und sie stärkte. Sie hatte keine Angst davor, an militanten Aktionen teilzunehmen. Sie war eine Scheiß-Gangsta.

Exakt. Emma Goldman war mindestens zehnmal so Gangsta wie 50 Cents und Ice-T zusammen! Wie gesagt, spannendes Interview, lohnt sich zu lesen (ebenso wie der Rest des Heftes). Ich mach erst mal Musik an: