Archiv für Februar 2014

Korrekte Staatsableitung bei Adam Smith

Überall, wo viel Eigentum ist, da ist auch große Ungleichheit. Für einen sehr reichen Mann muss es wenigstens fünfhundert Arme geben, und der Überfluss bei den wenigen setzt die Dürftigkeit bei der Menge voraus. Der Überfluss der Reichen erweckt den Unwillen der Armen, die oft durch Mangel und durch Neid dazu getrieben werden, die Besitzungen der ersteren anzufallen. Nur unter dem Schutze einer bürgerlichen Obrigkeit kann der Inhaber eines solchen wertvollen Eigentums, welches durch die Arbeit vieler Jahre, ja vielleicht mehrerer aufeinanderfolgender Geschlechter erworben worden ist, auch nur eine einzige Nacht ruhig und in Sicherheit schlafen. Er ist allezeit von unbekannten Feinden umgeben, die er, sowenig er sie auch gereizt hat, doch niemals besänftigen kann und vor deren ungerechten Angriffen ihn nur der mächtige Arm einer bürgerlichen Obrigkeit, der immer zur Bestrafung derselben erhoben ist, zu schützen vermag. Es erfordert also das Erwerben eines wertvollen und großen Eigentums die Einsetzung einer bürgerlichen Regierung.1

Knapper hätte ich´s jetzt auch nicht sagen können.

  1. zitiert nach Adam Smith, „Reichtum der Nationen“, Voltmedia, S. 729f. [zurück]

Endgültige Klärung des Theodizee-Problems in einer süddeutschen Bedürfnisanstalt

Deutschpunk war nie meine bevorzugte Sorte Musik. Was ich meiner Jugend in den 90er Jahren davon mitbekam (die notorischen „Schlachrufe BRD“-Sampler und Ähnliches) schreckte mich eher ab oder weckte in mir jedenfalls nicht das Bedürfnis, mit dem Genre nähere Bekanntschaft schließen zu wollen.
Dabei gibt es natürlich verdammt großartigen Deutschpunk. A+P zum Beispiel, die ich gerade frisch ins Herz geschlossen habe. Die Band wurde 1979 gegründet, und hat damit den Vorteil, den jede musikalische Gründergeneration halt hat: einfach machen zu können, ohne sich groß von Konventionen und Vorgaben eingeengt zu sein. Punk war noch nicht zur Gänze definiert, fest stand nur, dass Punks zerfetzte Klamotten tragen, dass es laut ist und jede_r es machen kann.
A+P spielten also Deutschpunk, ohne sich drum kümmern zu müssen, ob es jetzt „richtiger“ Deutschpunk sei. Und das macht dann wohl den speziellen Charme und Charakter aus. Klar hatten sie Texte gegen Staat, Bullen, Militär und Kirche usw., aber das eben deshalb, weil sie Bullen, Staat und Kirche halt Scheiße fanden, und nicht, weil man das als Deutschpunk-Band eben so macht. Die Musik von A+P ist angemessen holprig, aber vielseitig genug, um interessant zu bleiben. Und mit ihren beschränkten technischen Fähigkeiten kriegt die Band doch immer wieder ein paar clevere Schlenker hin – achtet nur mal darauf, wie sie hier unten ab der Hälfte des Liedes das Tempo schrittweise steigern. Ziemlich simpel, ergibt aber einen hübschen dramatischen Effekt.
Und dieser Text… Meine Fresse, solche Songtexte würde ich auch gern hinbekommen! Mit einer hinreißenden Mischung aus jugendlicher Anmaßung, Schnoddrigkeit und ernsthaftester Empörung über den Zustand der Welt wird hier eine der großen Menschheitfragen in 3 Minuten endgültig geklärt.

Guter Staat, böse Überwachung

Wie war das noch mit dem ausgewogenen Verhältnis von „Freiheit“ und „Sicherheit“? Und wie kommt der Staat, dessen ehrenvollste Aufgabe es doch sein soll, beide zu schützen, so plötzlich dazu, arglose und unbescholtene Bürgerinnen und Bürger zu bespitzeln? Man weiss es nicht genau, aber schlimm finden sollte man es natürlich trotzdem…
Das Berliner Seminar für angewandte Unsicherheit übt Kritik an der marktgängigen Überwachungskritik – und weil ich die SaU sehr sympathisch finde und die Kritik weitgehend teile, weise ich da natürlich gerne drauf hin. Nimm dies, Überwachungsstaat!