Archiv für April 2014

How to destroy the Rolling Stones

Die australische Band Feedtime habe ich gerade neu für mich entdeckt (der Dank für den Tipp gebührt hier noch einmal Hilmar von Lost Mixtapes). Feedtime existierten von 1979 bis 1996, nachhaltigen Weltruhm konnten sie dabei leider nicht erlangen. Immerhin entstanden in dieser Zeit einige Platten voll mit schön kaputtem, lautem Bluesrock, wie er auf diesem Kontinent anscheinend besonders gut gedeiht. So schön garstig wie hier wurde der alte Gassenhauer „Paint It Black“ vermutlich noch nie zersägt. Viel Spaß dabei!

Die große Weltentschwörung: Kulla sagt…

Daniel Kulla redet manchmal Unsinn, nicht allem stimme ich zu (muss ja auch nicht sein), und dem, was er musikalisch so verbricht, stehe ich sogar rundheraus ablehnend gegenüber. Hier sagt er allerdings mal was Kluges zur derzeitigen neuen „Friedensbewegung“ im Besonderen und Verschwörungstheorien im Allgemeinen. Das gebe ich dann natürlich gern wieder. Das Zitat stammt aus einem Gespräch mit dem Student_innenmagazin ak[due]ll:

„Wer die gesellschaftlichen Widersprüche kitten will und sich positiv auf Staat und Nation bezieht, muß die dazugehörige Ideologie produzieren, je nach Krisenlage in unterschiedlicher Heftigkeit und Form“, so Kulla. „Wenn sich gegen die Gesellschaftsordnung wenig ausrichten lässt, kann sich mit rebellischem Gestus zu ihrem Vorkämpfer und Verteidiger gegen den gemeinsamen Feind aufgeschwungen werden – das gilt nicht nur für die Hinwendung zum ideologischen Verschwörungsdenken.”

Der Autor macht wenig Hoffnung, erfolgreich gegen Freund*innen und Bekannte zu argumentieren, die mit den Verschwörungsdemos sympathisieren. Vielmehr sei es am wichtigsten, das Bedürfnis ernstzunehmen, sich auf die richtige Seite der vermeintlich schweigenden Mehrheit schlagen zu können. „Und das geht am besten, wenn man sich diesbezüglich auch selbst befragt und die eigenen Positionierungen mit dem gleichen Maßstab mißt“, schreibt Kulla. „Mit bloßer Argumentation ist am genannten Bedürfnis nichts zu ändern – es braucht vielmehr die Wendung gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Betonung der Widersprüche und letztlich den politischen Kampf, so aussichtslos das derzeit auch erscheinen mag.“

Auch nicht schlecht die folgende (schon etwas ältere) Aussage, weil Kulla dort auf etwas hinweist, was gern übersehen wird: Die meisten Verschwörungstheoretiker sind im Grunde verkappte Demokratie-Idealisten – also Leute, die am herrschenden kapitalistischen Normalzustand wenig auszusetzen haben und sich dann natürlich darüber wundern, warum trotzdem so viel (Krieg, Arbeitslosigkeit, Welthunger, die Liste ist lang…) schiefläuft:

Die meisten geschlossenen Verschwörungsauffassungen entstammen denn auch staatlicher Propaganda, gerade die deutsche war in den letzten 200 Jahren diesbezüglich sehr produktiv. Und da nach wie vor die meisten Menschen ihr Wohlergehen mit dem ihrer Nation verknüpfen, die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft also leider in einiger Ferne zu sein scheint, wird es immer wieder genügend Anhänger der entsprechenden Empörung über lügende Regierungen, geheime Machenschaften und sonstige Regelverletzungen der idealen Demokratie geben.

Geschrammel, Rauschen, Bandsalat

Lost Mixtapes – so nennt sich eine sehr schöne neue Sendung bei Radio Blau. Nach Aussage der Macher soll es „eine Hommage an das sommerliche Rumsitzen vor einem B52s Konzert und Gerede über geile alte Tapes“ sein. Ich habe es leider verpasst, an dem betreffenden Tag das Radio einzuschalten, aber die erste Sendung lässt sich zum Glück auch online nachhören, was ich euch hiermit dringend (DRINGEND!) empfehlen möchte. Immerhin sind hier nette Leute mit einem sehr, sehr guten Musikgeschmack am Werk und es gibt einiges zu entdecken – in dieser Sendung zum Beispiel Bands wie Gefahrenzone, Ernährungsfehler, Parole Emil und ähnliche, die ich vorher maximal dem Namen nach kannte. Dazu natürlich viel Gutes, aber nicht ganz so Unbekanntes von alten Helden wie EA 80, Schleimkeim oder No Means No. Sehr empfehlenswert, wie gesagt.