Archiv für Januar 2015

Neues vom Untergang des Abendlandes

Eigentlich gibt es nicht viel Neues, der Untergang schreitet immer noch unaufhaltsam voran. Weihnachtsmärkte heißen heute Wintermärkte, und die geistigen Kräfte des einst so stolzen Volks der Dichter und Denker schwinden rapide dahin. Hier sieht man es wieder:

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Quelle

Zum Beispiel Werner Patzelt

Ich muss zugeben, ich war ein wenig verärgert, als ich meinen letzten längeren Text zum Thema LEGIDA bzw. PEGIDA schrieb. Da habe ich stundenlang in klirrender Kälte ausgeharrt, um mich den Feinden der Demokratie in den Weg zu stellen. Und dann?! Dann titelt die Bild-Zeitung am folgenden Tag: „Leipzig, du stolze Stadt“ und wirft mich dadurch mit Sebastian Krumbiegel und 30.000 anderen Leipziger_innen in einen Topf, für deren Tun und Singen ich keine Verantwortung trage! Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. So war mein Text auch hauptsächlich eine Kritik der gängigen PEGIDA-„Kritik“, wie sie u.a. von der Bild-Zeitung betrieben wird.

Da aber auch ich ein Freund der allseitigen Ausgewogenheit bin, möchte ich nun die andere Seite, also die salopp so genannten „PEGIDA-Versteher“, ebenso mit gelindem Spott überziehen. Ich wähle als Beispiel den Dresdener Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt. Nicht nur weil dieser sich als Dauergast in diversen Talkrunden geradezu aufdrängt, sondern auch, weil er eben ein Experte ist, also PEGIDA tatsächlich besser versteht als irgendjemand sonst – so z.B. in einem längeren Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Dieser beginnt mit einer messerscharfen Analyse:

Zwar marschieren bei Pegida schon auch Rechtsradikale. Doch die allermeisten der vielen Tausenden von Demonstranten gehören in Dresden zum ganz normalen Volk. Es sind Arbeiter und Angestellte, auch etliche Selbständige, von der Mittelschicht bis zu den „kleinen Leuten“, von CDU-Wählern bis hin zum rechten Rand, mit vielen Nichtwählern dabei.

Die meisten der PEGIDA-Demonstrant_innen tragen weder Bomberjacke noch Glatze, verbleiben also – für Patzelt deutlich erkennbar – im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Und sie haben auch generell nichts gegen Ausländer, wie man schon daran erkennt, dass sie immer wieder sagen, dass sie nichts gegen Ausländer haben. Viele von ihnen haben sogar ausländische Freunde! Nun gut, manche haben nicht nur was gegen Muselmänner oder Wirtschaftsflüchtlinge, sondern „schon auch“ generell gegen Nicht-Deutsche oder nicht „deutsch“ aussehende Menschen. Trotzdem muss man ihr Anliegen ernst nehmen. Dabei sollten, so Patzelt, vor allem die Journalisten nochmal gut überlegen, ob sie das Ernstnehmen schon ernsthaft genug betreiben:

Besonders einflussreiche Schiedsrichter öffentlicher Diskurse sind Journalisten. Tatsächlich haben, ausweislich einschlägiger Studien, Journalisten eine im Durchschnitt linkere Einstellung als die Bevölkerung. Politiker wiederum tun gut daran, sich im Konfliktfall der Schiedsrichterrolle von Journalisten zu unterwerfen. […] Die Folge: Seit die Achtundsechziger ihren „Marsch durch die Institutionen“ vollendet haben, sind sowohl der öffentliche Diskurs als auch das von ihm geprägte Parteiensystem im Vergleich zu dem nach links gerückt, was sich demoskopisch als reale Meinungsverteilung der Bevölkerung ermitteln lässt.

Schlimm. Seitdem die rot-grüne Koalition 1998 die Macht übernahm, sollen ja sogar Kriege „politisch korrekt“ ablaufen, wo jeder Bombenabwurf dazu dient, ein „zweites Auschwitz“ zu verhindern, und wo es keine Toten mehr gibt, sondern nur noch „Kollateralschäden“! Diese allgegenwärtige Sprachhygiene hat schlimme, schlimme Folgen:

Solcher Rückzug tatsächlichen Meinens oder Sprechens ins Nichtöffentliche löst aber keinerlei Spannungen. Vielmehr unterbleibt dann gerade das, was doch ein entscheidender Vorteil repräsentativer Demokratie ist. Der Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel, in den Gründungsjahren unseres Landes sehr einflussreich, nannte ihn einst die „Veredelung des empirisch vorfindbaren Volkswillens“. Sie besteht darin, dass im öffentlichen Diskurs Publizisten und Politiker in rationale, unanstößige, diskursiv anschlussfähige Sprache überführen, was sich an Denkweisen oder Interessensbekundungen an den Stammtischen und auf den Internetseiten der Nation ausdrückt, und zwar mit oft ganz unzulänglichen, ja primitiven Mitteln, die ihrerseits manch hetzerische Dynamik entfalten. Unterbleibt dann eine „Veredelung“ des so Vorgebrachten, wie sie gerade Publizisten und Intellektuelle leisten könnten, so wird den von ihren Eliten alleingelassenen einfachen Leuten bald eine akzeptable Sprache fehlen, in der sie ihre Sicht und ihre Anliegen unanstößig ausdrücken könnten.

Liest sich kompliziert, ist es aber nicht. Patzelt führt nur das, was er meint, gleich in praxi durch. Wo z.B. ein Jürgen Elsässer wahrscheinlich „anstößig“ irgendwas von „linkfaschistischer political-correctness-Mafia“ oder so schwadronieren würde, drückt Patzelt sich schön unanstößig aus. In ähnlicher Weise variiert er auch das bekannte Leitmotiv aller Sarrazins und sonstiger Opfer der Zensur, so dass dann sinngemäß dieses herauskommt: „Das muss man schon sagen können – freilich nicht unbedingt in dieser verlotterten Sprache.“ Wenn schon gehetzt werden muss, dann bitte mit Stil.

Man könnte die PEGIDAs fast bemitleiden, dass sie sich von solchen Leuten verstehen lassen müssen – aber jeder hat eben die Freunde, die er verdient. Ich selber wäre sicherlich beleidigt, in solch herablassender Weise „verstanden“ zu werden: „Ja, der Junge kann sich eben nicht richtig artikulieren, das müssen besser mal die Eliten übernehmen…“ Aber gut, ich bin auch Anarchist und habe generell eine Abneigung dagegen, von irgendwelchen Politprofis vertreten zu werden. (Und weil gerade die breaking news hereinkam, dass die Dresdener PEGIDA sich gespalten hat und Kathrin Oertel jetzt „irgendwas mit direkter Demokratie“ machen will: Ebenso lege ich keinen Wert darauf, von irgendeiner Mehrheit regiert zu werden, wenn deren einziges Argument darin besteht, dass sie halt die Mehrheit ist! Dies nur zur Klarstellung.)

Für Patzelt ist die Repräsentation dagegen so was wie der Weihnachtsmann, der Vater, Sohn und Heilige Geist in eins zusammengefasst: Was da ist, muss auch repräsentiert werden. Natürlich im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich…

Auf diese Weise entsteht im rechten Bereich des politischen Meinungsspektrums eine Repräsentationslücke. Erst mit der AfD entstand eine Partei, die immerhin verspricht, vom Grundkonsens unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung aus diese Repräsentationslücke rechts der Union zu füllen.

Patzelt ist Wissenschaftler, was man daran erkennt, dass er seine Ratschläge ganz objektiv und neutral verteilt. Und solange die AfD nicht verboten ist, steht sie auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, da man darf sie nicht schlecht finden. Obwohl der Wink mit dem Zaunpfahl, den Patzelt da erteilt, wohl eher unnötig war: Die Leute von der AfD sind vielleicht blöd, aber so blöd nun auch wieder nicht, um nicht zu erkennen, dass sie bei den PEGIDA-Leuten was reißen können.
Aber wenn jetzt noch jemand die Demokratie retten kann, dann nicht Bruce Willis, sondern nur die AfD. Denn in den letzten Jahrzehnten haben die Politiker einfach nicht richtig repräsentiert, und jetzt sieht man ja, was dabei herauskommt. Jetzt haben wir den Salat! Wobei Patzelt natürlich nicht „Salat“ sagt, sondern eher wortgewaltige Naturmetaphern bemüht:

Lässt sich wohl dauerhaft jene Repräsentationslücke verriegeln, die gewiss in guter Absicht herbeigeführt wurde, unter der nun aber vielerlei unterdrücktes Empfinden, Wollen und Denken nach Ausdruck drängt? Anscheinend drängt das Magma unrepräsentierten Volksempfindens und unveredelten Volkswillens allenthalben in Deutschland nach oben.

Und zwar gerade

im Osten, wo seit der Wiedervereinigung demoskopische Umfragen zeigen, um wie viel dünner dort das Deckgebirge repräsentativer Demokratie ist. In Dresden kamen bloß einige besondere Umstände zusammen – und ließen einen Vulkan ausbrechen.

Nun handelt es sich, wenn wir uns an Patzelts einleitende Worte erinnern, zwar um einen recht gesitteten Vulkan, der hauptsächlich aus „ganz normalen Leuten“ besteht, der aber eben auch ein bisschen heiß und unkontrolliert ist, weil er wie ein Geysir halt so heiße Magma verspritzt… Alles klar: Die Lage ist also einerseits nicht bedrohlich, aber doch ein wenig unkontrolliert. Da müssen jetzt die Eliten ran, um den Volkswillen zu „veredeln“. Denn:

Auszugrenzen hat nur dann Sinn, wenn es um Extremisten geht, also um die Gegner einer freiheitlichen demokratischen Ordnung. Mit Andersdenkenden sollte man hingegen ins Gespräch kommen – voll guten Willens, höflich und ohne Arroganz. Die steht jenen sogar besonders schlecht, die dem einfachen Volk tatsächlich an Bildung oder Reichtum überlegen sind.

Wie zum Beispiel Werner Patzelt.

Kurze Werbepause…

… in eigener Sache. Falls es jemanden interessiert, was ich in den letzten vier Wochen so getrieben habe: Musik gemacht unter anderem, bzw. Geräusche produziert. Zum Einsatz kamen hauptsächlich Bass und Gitarre, konventionell gespielt oder mit diversem Zeug präpariert, und eine Loopstation, das Ganze mit ein bisschen Nachbearbeitung am Computer.

Freiheitlich-demokratisches Liedgut

Der Untergang des Abendlandes bzw. dessen Verteidigung macht auch vor Leipzig nicht halt. Die Punktauswertung für die erste LEGIDA-Demonstration, die am Montag, den 12.1. stattfand, scheint dabei ziemlich eindeutig: Rund 3000 Menschen beteiligten sich an dem Aufmarsch. Ihnen gegenüber standen etwa 30.000 Gegendemonstrant_innen (darunter auch ich), die sich dem Marsch der patriotischen Europäer in den Weg stellten. „Für Toleranz“, mit buntem, kreativem und vor allem friedlichem Protest – man kennt das ja.
Also alles klar, könnte man meinen. Die offene Gesellschaft wurde wieder einmal erfolgreich gegen ihre Feinde verteidigt. Wobei allerdings diese Operation, den Status quo gegen die (zweifellos unsympathischen) „Auswüchse“ zu verteidigen, die er selbst regelmäßig hervorbringt, so in sich widersprüchlich ist, wie die üblichen demokratischen Abgrenzungsrituale befremdlich sind, wenn man sie näher betrachtet. Dazu war ich zeitweilig auch gezwungen, als ich mich entgegen meines ursprünglichen Vorhabens, mich mal geschmeidig durch die Menge zu schlängeln, vielmehr minutenlang in dieser eingekeilt fand. In dieser Zwangslage sah ich mich genötigt, der Performance von Sebastian Krumbiegel zu folgen, die hier im Video dokumentiert ist.

Die persönliche Integrität von Herrn Krumbiegel will ich gar nicht in Frage stellen – der Mann engagiert sich schon seit Dekaden „gegen rechts“, meint es also offensichtlich ernst und ehrlich. Und natürlich ist der Song kein 50seitiges Theoriepamphlet. Dennoch schafft es Sebastian Krumbiegel, trotz der Kürze des Textes, ziemlich viel Unsinn hineinzupacken.
Das beginnt schon bei den ersten beiden Zeilen: „Kein Mensch hat Lust auf Ärger / kein Mensch ist illegal“. Das erste ist eine Tatsachenfeststellung, die binsenhafter nicht sein könnte – klar, kein Mensch hat Lust auf Ärger. Dass kein Mensch illegal ist, ist dagegen bei weitem nicht so klar. Eher im Gegenteil: Tatsächlich klassifiziert das demokratische Staatswesen alle nasenlang Menschen als „illegal“, wenn sie sich unerwünscht auf seinem Territorium aufhalten. In seinem ursprünglichen Kontext dient der Satz „Kein Mensch ist illegal“ auch genau dazu, dies als Tatsache zu benennen und zu skandalisieren. Krumbiegel nimmt die Aussage dagegen schlicht als Fakt.
Aber gut, er redet ohnehin nur „mal so von Mensch zu Mensch“. Kompliziertere soziale Verhältnisse wie z.B. das Verhältnis von Mensch und Staat tauchen also in seinen Überlegungen gar nicht erst auf. Und auf Logik kommt es ihm wohl eh nicht an – es ist schon schwierig genug, es so hinzubiegen, dass sich alles reimt. Wahrscheinlich wollte Krumbiegel beim Texten nur auf den abschließenden Kehrreim hinaus: „Wir sind doch international.“
Mit „wir“ ist hier a) das weltoffene Leipzig, und b) der weltoffene Sebastian Krumbiegel gemeint. So redet er im Rest des Songs auch hauptsächlich von seinem Dasein als Tourist, wo er überall schon war (New York, Tokio) oder noch hin will (in Rio, „aber das mach ich auch noch klar“).
Für Illegalisierte oder syrische Bürgerkriegsflüchtlinge stellt sich die Sachlage wohl nicht ganz so entspannt dar. Und auch die LEGIDA-Demonstrant_innen dürften sich kaum von ihrer Abneigung gegen bestimmte Menschengruppen abbringen lassen, nur weil Sebastian Krumbiegel schon mal im Ausland war. Im Ausland waren sie sicher auch schon mal – das hält im Zweifelsfall niemand davon ab, rassistische Vorurteile zu hegen oder auf die eigene Nation stolz zu sein. Es bleibt beim guten Zureden „von Mensch zu Mensch“: Seid tolerant, seid nett zueinander. Soziale Konflikte werden zu Fragen der persönlichen Einstellung heruntergebrochen. Und letztlich soll das „Courage zeigen“, „Farbe bekennen gegen rechts“ usw. ohnehin nur die eigene Identität bestärken: „Wir sind doch international“, also weltoffen und tolerant und gute Demokrat_innen, während die anderen eben engstirnig, intolerant und undemokratisch sind.
Mit so einer Identität kann man sich natürlich wohlfühlen. Man könnte sich aber auch fragen, wie denn „die anderen“, in diesem Fall also die LEGIDA-Demonstrant_innen, zu ihren Ansichten kommen. Und bevor man sich daran macht, den Status quo gegen seine eigenen Auswüchse zu verteidigen, könnte man sich auch über diesen mal ein paar Gedanken machen. Die „offene Gesellschaft“ ist immerhin auch eine Klassengesellschaft, die sich im Alltag (z.B. auf dem Arbeitsamt) nicht immer so nett ausnimmt wie auf lauschigen Demonstrationen für Toleranz.
Dreist gesagt ließe sich ja auch der Rassismus als Klassenfrage bestimmen: Bestimmte, vermeintlich natürliche Merkmale, wie z.B. die Hautfarbe, werden als Begründung benutzt, um bestimmten Menschengruppen eine bestimmte Position in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zuzuweisen. Und wenn diese dann tatsächlich in der zugewiesenen Position sind, soll dafür wiederum ihre genetische Ausstattung, Hautfarbe, „Rasse“ die Ursache sein, und nicht etwa die gesellschaftlichen Verhältnisse.
Um hier also mal ein wenig Küchenpsychologie zu betreiben: Wenn die LEGIDA-Demonstrant_innen bestimmte Menschengruppen verteufeln und abwerten, dann reden sie dabei immer auch über ihre eigene Stellung in der Gesellschaft. Man könnte hierin einen typischen Verdrängungs- und Verschiebungsvorgang sehen. Einerseits fühlen sie sich in ihrer gesellschaftlichen Stellung nicht wohl (sonst würden sie wohl nicht demonstrieren), andererseits fürchten sie sich vor dem Abstieg. Aus dem Dilemma, mit der eigenen Position unzufrieden zu sein und sie gleichzeitig um jeden Preis verteidigen zu wollen, flüchten sie sich, indem sie das Problem verdrängen und sich ersatzweise ein neues schaffen, das sich scheinbar leichter und widerspruchsfreier händeln lässt: Werteverfall, unkontrollierte Einwanderung, islamische „Unterwanderung“ der Gesellschaft etc. pp.
Gerade weil die Äußerungen der PEGIDA-Bewegung inhaltlich eher irrational anmuten, lässt sich davon ausgehen, dass ihnen ein ernstes Bedürfnis zugrunde liegt. Das wird man den Leuten wahrscheinlich auch mit den besten Argumenten nicht ausreden können. Nur ist es letztlich das kleinste Problem, dass die landläufige „Kritik“ an PEGIDA dermaßen argumentfrei daherkommt – im Alltag der real existierenden Demokratie kommt es ohnehin weniger auf Argumente, sondern vielmehr auf Koalitions- und Mehrheitsfähigkeit an. Wenn sich Politiker_innen zum Thema äußern, läuft das meist auf die bloße Forderung nach konformem Verhalten hinaus: Die Minderheit soll sich – zum Wohle der Nation – der Mehrheit unterordnen. Inhaltlich ist das ziemlich beliebig. Die Forderung wird in ähnlicher Form immer wieder erhoben, sobald nur irgendwas die reibungslosen Abläufe stört: Ob nun Sigmar Gabriel der GdL vorwirft, sie würde das Streikrecht missbrauchen und es am nötigen Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Standort Deutschland fehlen lassen, oder ob Justizminister Heiko Maas die PEGIDA-Bewegung als „Schande für Deutschland“ bezeichnet, scheint in dieser Hinsicht fast austauschbar zu sein.
Auch das gehört zum Alltag der realen Demokratie. Das Wohlergehen der Nation ist der oberste Maßstab, an dem sich die Parteien ausrichten, wobei das Ergebnis ziemlich klar ausfällt: Die Hartz-IV-Gesetze waren gut für den Standort Deutschland – Lokführer-Streiks sind es nicht. Geregelte Einwanderung von „Ausländern, die uns nützen“, ist gut, während seltsame Bewegungen, die im Ausland ein schlechtes Image erzeugen, eben schlecht sind. So wirft Heiko Maas eben als guter Nationalist den Nationalist_innen von PEGIDA vor, nicht ordentlich nationalistisch zu sein (was diese natürlich auf die Palme bringt).
Ebenso ist es fast gleichgültig, ob z.B. Bild-Zeitung nun gegen die GdL oder gegen PEGIDA Stimmung macht (im Fall von PEGIDA natürlich etwas inkonsequent). Auch hier ist die Kritik weitgehend inhaltsleer. Wenn die Bild z.B. 80 Prominente zusammensucht, die sich gegen PEGIDA äußern, kommt es gar nicht darauf an, ob eine dieser Personen etwas Sinnvolles zu sagen hat. Wichtig ist hier zweierlei: Sie sind prominent, und sie sind viele.
Das Problem betrifft natürlich nicht nur die bürgerliche „Mitte“ – auch die vermeintlich autonome Antifa unterscheidet sich davon oft nur durch den Dresscode und den Fakt, dass sie sich zum Wohle der „offenen Gesellschaft“ notfalls auch mit dem staatlichen Gewaltmonopol anlegt. Soviel Mühe müsste man sich gar nicht machen. Solange sich schon Sebastian Krumbiegel, die Bild-Zeitung und Justizminister Maas um die Verteidigung des Status quo kümmern, könnten alle anderen getrost mal drüber nachdenken, ob ihnen nicht noch etwas Besseres einfällt.

Destroy Erase Improve…

… war mal ein Plattentitel von Meshuggah, passt aber auch zu diesen Coverversionen von Melt Banana hier. Das ist schon ziemlich faszinierend, wie hier a) Grindcore, Noise und Pop zusammenprallen und wie sie b) sogar „We Will Rock You“ so hinbiegen, dass es im Ergebnis nicht scheiße klingt. Ganz großer Spaß!